Die Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde

Heilig- Geist in Bicken


Entnommen aus der Festschrift zum 40- Jährigen Jubiläum am 14. September 1997.


Die Entwicklung und Gründung der katholischen Kirchengemeinde Bicken nahm ihren Anfang mit der Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg. In einer Lagerhalle, der “Burger Hütte“ wurde ein Auffanglager eingerichtet. Eine bis drei Wochen blieben die Vertriebenen im „Burger Lager“. Dann wurden ihnen Wohnungen in den umliegenden Dörfern zugewiesen.

Am 20. Juni traf Pater Albin Reimann aus dem Wallfahrtsort St. Anna bei Plan (Marienbad) ein. Er kam mit einem Transport seiner Pfarrangehörigen, die er nicht alleine lassen wollte. Im Lager feierte er schon die ersten Gottesdienste. Unterstützt durch den katholischen Schulleiter Mehrens und den katholischen Farbmühlenbesitzer Kemper waren bald Gottesdienste in den umliegenden Dörfern möglich. Für Pater Reimann, dessen Haushälterin Frau Günther und deren Mutter, wurden im alten Schulhaus Offenbach zwei Plätze frei gemacht. Damit war der Grundstein zur Seelsorge Offenbach gelegt.

Im September 1946 bekam Pater Reimann Unterstützung von Josef Krüss, gleichfalls Redemptoristenpater aus St. Anna bei Plan. Diese beiden versahen ihren Dienst unter sehr extremen Bedingungen. Die beiden Räume in der Schule dienten als Wohn- Schlaf- und Arbeitsstätte und als Kapelle. Sprechstunden im Hause waren nicht möglich. Um Gespräche mit den Gläubigen zu führen, mussten sie diese in ihren Wohnungen aufsuchen.

Im August 1947 wurde die Seelsorgestelle Offenbach amtlich von Limburg bestätigt. Was noch fehlte war ein Pfarrhaus und eine eigene Kirche.

Doch alle diese widrigen Umstände verhinderten ein reges Leben mit dem Glauben nicht. In folgenden Orten wurde am Sonntag Gottesdienste gefeiert: Offenbach, Eisemroth, Niederweidbach, Seelbach, Ballersbach (jeden Sonntag), Altenkirchen, Bicken, Bischoffen, Oberweidbach (14-tägig bzw. 1x monatlich). In 18 Orten trafen sich Gemeindemitglieder werktags in unterschiedlicher Häufigkeit zum Gottesdienst.

1948 wurden Helene Rucinski und Anna Winterling als Seelsorgehelferinnen für die Seelsorgestelle angestellt. Frau Rucinski arbeitete überwiegend im Bereich Eisenroth, Frau Winterling im Bereich Niederweidbach. Sie waren „Mädchen für alles“. Ihr Tätigkeitsfeld reichte vom Religionsunterricht über Gruppenstunden für Kinder und Jugendliche, Hausbesuche, Krankenkommunion, Sakramentenvorbereitung und Gottesdienstvorbereitung bis hin zu Küsterdiensten und Sortieren der Kartei.

Frau Rucinski stammte aus Eisenroth, Frau Winterling war Heimatvertriebene aus Katzengrün im Egerland.

 Nach langen Bemühungen gelang es den zuständigen Stellen in Limburg, in Bicken das Wohnhaus des Arztes Dr. Tittel zu erwerben, zu dem für damalige Verhältnisse stolzen Preis von 55.000 DM.

Im Oktober 1952 wurde dann die Seelsorgestelle nach Bicken verlegt. Am 1. Mai 1953 kam Pater Josef Casper nach Bicken und übernahm im Oktober die Leitung der Seelsorgestelle. Albin Reimann wurde als Rektor in das Ordenshaus Frankturt/Main versetzt. Josef Krüss übernahm schon im Herbst 1950 die Aufgabe eines Missionars bei der Kapellenwagenmission.

1952/1953 und 1954 fanden solche Kapellenwagenmissionen auch in der Seelsorgestelle Bicken statt. In jedem der 18 Orte stand der Kapellenwagen einmal, 1955 fand dann eine Nachmission statt. Die Kapellenwagenmission wurde vom holländischen Pater Werenfried van Straaten ins Leben gerufen, der auch der Speckpater genannt wurde, da die Missionare neben den Missionspredigten und Heiligen Messen auch Lebensmittel und Kleidung anboten und verteilten.

 

Wunsch nach einer eigenen Kirche

 Durch den Umzug nach Bicken hatte man nunmehr ein eigenes Pfarrhaus, aber ein weiteres Problem war noch zu lösen. Die 2500 Katholiken, verteilt auf 18 Ortschaften, hatten nicht eine einzige eigene Kirche. Sie waren überall auf die Gastfreundschaft der evangelischen Christen angewiesen. Diese wurde zwar gerne gewährt, aber der Gast mußte sich zeitlich nach dem Hausherrn richten, was bei 8 bis 10 Gottesdiensten an jedem Wochenende nicht leicht war.


Der Wunsch, eine eigene Kirche zu bauen, war daher verständlich. Nach vielen Gesprächen und Überlegungen ließ sich auch die Diösezanverwaltung in Limburg davon überzeugen. Pater Casper wurde beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen in Angriff zu nehmen.

 

Grundstückskauf/ Bauplanung/ Finanzierung


 Als idealer Bauplatz für die Kirche wurde das Gelände neben dem Pfarrhaus befunden. Die Verhandlungen mit den drei Parzelleneigentümern gestalteten sich jedoch sehr schwierig.

Es dauerte über zwei Jahre, bie durch Einschaltung von Bürgermeister und Gemeindevorstand, Landrat und Kreisbauamt eine Einigung erzielt wurde.

Architekt Hans Busch aus Frankfurt/Main wurde mit der Anfertigung der Baupläne beauftragt.

Limburg machte die Genehmigung der Finanzierung von der Bedingung abhängig, daß die Gemeindemitglieder eine angemessene Beteiligung der Kosten übernehmen. Diese betrug 20% der veranschlagten Baukosten von DM 240.000,--. In Anbetracht dessen, dass fast alle Katholiken Heimatvertriebene waren, die selbst gerade mit dem Wiederaufbau einer Existenz begonnen hatten, war es eine sehr harte Bedingung, die zu erfüllen war.

Es wurden Listen ausgelegt, in denen sich die Leute durch Unterschrift verpflichteten, monatliche Beträge von DM 5,-- bis DM 10,-- oder mehr auf unbestimmte Zeit zu leisten.

Wenn man bedenkt, daß zu dieser Zeit der durchschnittliche Stundenlohn eines Arbeiters DM 1.50 betrug, kann man ermessen, welches Opfer die Menschen erbracht haben.

Das Ergebnis der Spendenaktion war überwältigend: DM 30.000,-- konnten durch Spendenverpflichtungen abgedeckt werden. Für den noch fehlenden Restbetrag von DM 18.000,- - sollte ein Darlehen aufgenommen werden.

In Limburg zeigte man sich zufrieden und erteilte Anfang 1956 die Finanzieungsgenehmigung.

Baubeginn im Mai 1956

 

Ende Mai wurde mit den Aussschatungarbeiten begonnen, nachdem am 13. Mai der erste Spatenstich erfolgt war. Am 8. Juli fand die Grundsteinlegung statt.

Das Richtfest am 9. August konnte nur  4 Wochen nach Grundsteinlegung schon gefeiert werden, weil sehr viele freiwille Helfer mit Freuden am Aufbau der Kirche mitwirkten.


 Umwandlung der Seelsorgestelle Bicken in eine Pfarrrvikarie


Im Zusammenhang mit der Finanzierung des Kirchenbaus trat die Frage nach der Rechtsform der Seelsorgestelle in den Vordergrund.

Für die Eigenbeteiligung der Gemeinde war neben dem Spendenaufkommen die Aufnahme eines Darlehens erforderlich. Dazu bedurfte es einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, vertreten durch den Vorstand.

Bereits Anfang  April 1956 hatte man anläßlich einer Baubesprechung seitens Limburg angekündigt, die Seelsorgestelle Bicken in eine Pfarrvikarie umzuwandeln. Die Angelegenheit zog sich jedoch noch einige Monate hin.

Am 12. Dezember traf dann die Urkunde des Bischofs von Limburg, Wilhelm Kempf, in Bicken ein. Sie beinhaltet die Bildung der Kirchengemeinde Bicken und die Errichtung der Pfarrvikarie.

Pater Casper wurde zum Pfarrvikar ernannt.

Die Urkunde trat mit Wirkung vom 1. Januar 1957 in Kraft.

 

 

Damit ist der 1. Januar 1957 das Gründungsdatum

der Katholischen Kirchengemeinde Bicken

 

 

Christmette am 24.12.1956 in der neuen Kirche


Durch das milde Herbstwetter war der Kirchenbau Anfang Dezember zum größten Teil fertiggestellt.  Innen fehlte noch einiges, u.a. eine Orgel. Der Kirchturm hatte noch keine Glocken.

Zur Feier der Christmette kamen die Katholiken aus allen Dörfern mit Bussen. Die Kirche war übervoll. Estmals seit 10 Jahren konnte der Gottesdienst gemeinsam gefeiert werden. Das Ewige Licht wurde erstmals entzündet: Christus hatte Wohnstatt im Tabernakel genommen!

Die bischöfliche Weihe der Kirche war auf die Zeit der endgültigen Fertigstellung verschoben worden. Pater Casper hatte vom Bischof die Genehmigung erhalten, die Kirche in aller Stille in einfacher Form zu benedizieren.


                                Kirchenvorstandswahl am 19. Mai 1957

 

Die Rechtsvertretung der neuen Kirchengemeinde oblag dem Kirchenvorstand, den es bisher nicht gab. Am 19. Mai 1957 wurde der erste Kirchenvorstand gewählt, dessen erste Amtshandlung der Beschluß über die Aufnahme eines Darlehens über DM 18.000,-- war. Damit war die Restfinanzierung des Kirchenbaus gesichert.

 

Einweihung der Heilig-Geist-Kirche Bicken durch Weihbischof Walther Kampe


Am 8. September 1957 kam Weihbischof Walther Kampe aus Limburg, um die Kirche einzuweihen. Viele Ehrengäste aus Bicken und den Nachbargemeinden und über 300 Gemeindemitglieder nahmen an der Feier teil.

In seiner Festansprache würdigte der Bischof die große Opferbereitschaft der Bickener Katholiken und wünschte, durch den Besitz der neuen Kirche, eine Stärkung des Glaubens und des Zusammengehörigkeitsgefühls. Er rief die Katholiken zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden auf, da nur daraus wahrer christlicher Frieden erwachse.

Im Anschluss an die Predigt des Bischofs feierte Dekan Urban aus Herborn mit den Gläubigen ein Hochamt. Der Gottesdienst wurde von dem Blasorchester Gladenbach musikalisch umrahmt.

Der Nachmittag stand im Zeichen der Geselligkeit. Der Pfarrsaal war Schauplatz einer gelungenen Kirchweihfeier.

Die neue Kirche wurde dem Heiligen Geist geweiht. Die kleine Kapelle der Heiligen Mutter Anna. Das Bild am Altargiebel stellt die Herabkunft des Heiligen Geistes dar. Das Rundfenster über der Orgel zeigt die Verkündung des Engels Gabriel, die Fenster an der Ostseite Die sieben Sakramente. Altarbild und Fenster sind Entwurf und Arbeit von Herrn Jupp Jost aus Hattersheim.

Die Kreuzwegstationen an den Holzbindern der Kirche sind Holzschnitzereien eines oberbayrischen Meisters am Starnberger See. Der Taufstein stammt in Entwurf und Ausführung von dem Bildhauer Eberhard Kahl.

Im Dezember wurde die Orgel mit ihren 13 Registern von der Firma Wagenbach, Limburg, aufgestellt und intoniert.

Was noch fehlte, waren die neuen Glocken. Dafür hatten die finanziellen Mittel nicht ausgereicht. Erst einige Jahre später konnten die Glocken angeschafft werden.


 Die Glocken der Heilig-Geist-Kirche


1964 war es dann möglich, vier Glocken für die Kirche anzuschaffen. Sie wurden in Sinn gegossen und am 13. September von Dekan Erich Urgan, Herborn, feierlich geweiht.

 

    Namen und Inschriften:


1.   Heilig- Geist- Glocke       h'

    (Gewicht 388kg)

    "Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis"

 

2.   St. Maria- Glocke               d"

    (Gewicht 265kg)

    "Mir geschehe nach deinem Wort"


3.   St. Gabriel- Glocke            e"

    (Gewicht 188kg)

    "Der heilige Geit wird über dich kommen"


4.   St. Anna- Glocke               g"

    (Gewicht 115kg)

    "Im Herrn aufjubelt mein Herz"